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Hitzewelle!

Schon wieder ein sehr milder Winter und kaum Frost. So überwintern tierische Schädlinge und Pilzkrankheiten in großer Zahl. Nach dem sehr trockenen Jahr 2018, ging es 2019 direkt so weiter und wir starteten mit einem enormen Wasserdefizit in den Austrieb. Dieser fand etwas früher wie sonst um den 21. April statt. Doch dann kam kühles, wechselhaftes Wetter, was das Rebenwachstum ca. drei Wochen lang stoppte. Zum Glück konnten die Wasservorräte aber etwas aufgefüllt werden. Anfang Mai wurde es wieder kritisch kalt und wir bangten um unsere Reben. Nachdem am 21. April 2017 mit minus 5,5°C viele Weinberge vom Spätfrost heimgesucht wurden, ging es 2019 gut aus und wir hatten keine Probleme.
Die Temperatur nahm Mitte Mai wieder Fahrt auf und das ausreichende Wasser sorgte für ein enormes Rebenwachstum, so dass bereits Mitte Juni eine blitzschnelle Blüte einsetzte. Insbesondere der Riesling ist in der Blütephase sehr empfindlich, hier kam es zu wenigen Verrieselungen (Abstossen der jungen Beeren). Ende Juni kam es zur nächsten Hitzeperiode mit 38°C! Die übliche Entblätterung der Traubenzone wurde eingestellt, um ein vertrockenen der jungen Beeren zu verhindern.
Juni und Juli so heiß wie nie! Dazu kaum Regen, es sah nach vielen Parallelen zu 2018 aus (schon wieder zu trocken und heiß)
Ende Juli dann rekordverdächtige Temperaturen um 40°C, das bremste das Rebenwachstum deutlich. Diese Hitze sind wir und unsere Reben nicht gewöhnt, so kam es zu massiven Sonnenbrandschäden die zum Teil 40% der Trauben betroffen haben. Allerdings waren kaum Unterschiede zwischen den Rebsorten oder bestimmten Lagen festzustellen. Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Sonnenbrand geschädigten Trauben besagen, dass geschädigte Beeren komplett entfernt werden müssen, da die Weine sonst sehr bitter schmecken. So war uns schon früh klar, dass dieser Herbst sehr anstrengend werden würde und wir sehr viel sortieren müssen. Einziger Vorteil, den verschiedenen Schädlingen war es auch zu heiß, so gab es weder Probleme durch den Traubenwicker & die Kirschessigfliege, noch durch Mehltau oder Peronospora.
Die Regenfälle Ende August – Anfang September haben uns wieder an einen Jahrgang erinnern lassen (2006) bei dem bis zum Herbst alles super ausgesehen hatte und die größeren Regenfälle zu einer enormen Fäulnis führten. 2019 kam der Regen aber etwas früher, so dass die Reben und die Böden etwas Kraft tanken konnten.
Da wir frühzeitig mit der Ernte beginnen konnten, haben wir die einzelnen Lagen sehr differenziert lesen können. Bei einigen mussten wir viel aussortieren, da noch von Sonnenbrand geschädigte Beeren an den Stielen hingen, bei anderen Sorten / Lagen waren diese frühzeitig abgefallen und wir konnten sogar ein paar Weinberge mit dem Vollernter lesen lassen. Je weiter der Oktober voran schritt, desto schlechter wurde das Wetter. Da wir früh begonnen hatten, waren zu diesem Zeitpunkt schon viele Weinberge abgeerntet. So konnten wir die Lese schon am 12.10.2019 beenden.
Die Säure und Oechsle Grade waren wie gewünscht, nur die Erntemenge war schwierig einzuschätzen. Nach dem Herbst, wussten wir, dass wir genügend Wein für unsere Kunden im Keller haben, jedoch war gerade beim Riesling die Menge so gering, dass unser Fassweinverkauf quasi nicht stattgefunden hat! Tobias ist seit 2001 im Weingut und hat den Keller noch nie so leer gesehen! Aber das sind wir mittlerweile gewohnt, so haben wir in den letzten acht Jahren sechs kleinere Ernten eingefahren.
Nach der zügigen Gärung und dem füllen der Holzfässer und Edelstahltanks, lagen die Jungweine noch bis Januar mit der Hefe zusammen. Durch einen Spezialfilter, wurden die Weine von der Hefe getrennt und zur Füllung vorbereitet. Diese erfolgte zum Großteil schon Mitte Februar, so dass alle Sorten immer verfügbar waren. Ganz neu sind in diesem Jahr: Grauer Burgunder von einem befreundeten Winzer (auf vielfachen Kundenwunsch), sowie unser Chardonnay trocken im Barrique gerreift. Eine Weinprobe des 2019er lohnt sich!!!

Fazid: 2019 jagte ein Rekord den nächsten, vor allem bei den Höchsttemperaturen, dies setzte unseren Trauben ganz schön zu, jedoch konnten wir durch die selektive Lese fantastische Trauben verarbeiten. Einzig die Menge ließ zu wüschen übrig.